Archiv

CQ 10/2007 - oder auch: das Stehaufmännchen von Tisch 6

Gestern wurde also das nächste Kapitel österreichischer Snooker Geschichte geschrieben. Einen Tag nach dem Nationalfeiertag war zumindest ein bißchen die Hoffnung da, daß die halbe Trupper vom vielen Feier noch verkatert und nicht fit wäre, aber wer feiert heutzutage noch den Nationalfeiertag? Noch dazu bei so einem Wetter?

Na gut, zum eigentlichen Turniergeschehen. Immerhin hatten sich diesmal 25 wackere Helden in die wunderschöne Snookerlaunge im Köö 5 verirrt (die Spuren von der 20 Jahr feier 2 Tage davor waren tatsächlich nicht mehr zu sehen). Es wurde also wieder der allseits beliebte und vor allem bestens bekannte 32er Doppel-KO Raster gespielt, wobei die Familie Freilos diesmal gleich 7 Teilnehmer stellte.

Ich war diesmal als Nummer 3 gesetzt (hinter dem Turnierfavoriten CW Steiner und Marius Eder), und konnte mich in der ersten Runde daher mit Rudi "Longpot" Freilos um den Verbleibt im Hauptast streiten. Um es kurz zu machen: ich war souverän! Allerdings hatte ich nur Muße genug, um ein Kapitel im mitgebrachten Buch zu lesen, dann versuchte ich mich schon auf's Snookerspielen einzustellen. Und nach 3(!) Stunden Rumgesitze hätte mir dann wohl schon ein wenig der Popsch wehgetan, wären die Ledercouches im Köö 5 nicht so bequem.

Endlich also wirklich was zu tun: Mein erster Gegner in der 2. Runde war diesmal Robert Parik auf Tisch 6. Doch es kam, wie es kommen mußte: Die gute Form vom Einspielen in der Früh hatte es sich während der langen Wartezeit wohl anders überlegt, und war wieder heimgefahren, und - nicht zuletzt durch das eher unrythmische Spiel von Robert - kam ich überhaupt nicht in Fahrt. Zusammen mit der offensichtlichen Tatsache, daß sich Robert gegenüber früherer Duelle auch stark verbessert zeigte (ob das was mit seinem Snookertisch daheim zu tun hat?), ergab das die logische Konsequenz und für mich eine kräftige Watschen: 0:2 und ab in den Verliererast.

Ab nun ging es allerdings Schlag auf Schlag, wobei Gott sei Dank nicht jeder gegen mich gerichtet war. Der nächste Gegner, Franz Starthan verspricht normalerweise spannende, knappe Partien. Leider hatte Franz allerdings seinen schlechtesten Tag ausgerechnet auf den Turniersamstag verlegt, und so konnte ich - wieder auf Tisch 6 - relativ sicher mit 2:0 gewinnen. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich ein wenig wie Phoenix, der gerade aus der Asche der Niederlage wiederauferstanden war. Zugegeben, der Phoenix stand noch recht wackelig auf den Beinen und mit den zurrupften Flügeln war an Fliegen nicht zu denken, aber immerhin konnte er bereits ein zaghaftes "Tschiep" von sich geben.

Nächste Runde, nächster Gegner: Florian Waas - ein Jugendspieler - wieder auf Tisch 6. Im ersten Frame ging wieder einmal gar nichts, und nachdem mir Florian bei nur mehr Rosa und Schwarz am Tisch freudenstrahlend mitgeteilt hatte: "Du brauchst Snooker", wurden mir schlagartig zwei Dinge klar:
1. Ich würde diesen Frame verlieren
2. Ich wollte mich keinesfalls jetzt schon aus dem Turnier verabschieden. Ich nicht. Nein. Ganz bestimmt nicht.
Dem noch leicht angeschwärzten Phoenix wurde also in Form eines Frameverlustes noch eine über den Deckel verpaßt, doch was ein echter Phoenix ist, läßt sich auch durch sowas nicht verunsichern.
Ich zweiten Spiel konnte ich dann endlich ein wenig meine langjährige Turniererfahrung auspielen (wenn auch wieder keine annehmbaren Breaks dabei waren), und konnte doch noch mit 2:1 gewinnen.

Der nächste Gegner auf meinem "Heimtisch" 6 war dann Thomas Brugger, der in beeindruckender Manier kurz davor CW Steiner immerhin einen Frame abgetrotzt hatte, und den dritten Frame denkbar knapp auf die letzte Schwarze verloren hatte.
Endlich wurde mein Spiel besser und ich konnte tatsächlich dagegenhalten. Falls Thomas einen Bericht über dieses Turnier verfaßt, wäre der Titel wohl: "Der Fluch der letzten Schwarzen", denn er mußte tatsächlich mitansehen, wie ich zweimal genau diesen Ball zum Framegewinn versenkte.

Mittlerweile waren nicht mehr allzuviele Gegner anwesend, und auch "mein" Tisch 6 wurde wieder den Nicht-Turnierspielern übergeben, sodaß ich für die nächste Partie gegen Bernhard Parik auf Tisch 3 übersiedeln mußte. Moment ... Parik? Da war doch was.... will mir jetzt gar nicht mehr einfallen...
Na gut, die Niederlage gegen seinen Vater hatte ich noch nicht ganz verdaut, und wollte doch zumindest die Möglichkeit wahrnehmen, mich an seinem Sohn zu "rächen".
Allerdings wollte der nicht so ganz mitmachen, und nahm mir einfach den ersten Frame ab.
Eine Situation. die ich an diesem Tag schon gehabt hatte, und auch diesmal konnte ich nich die Notbremse ziehen: In den folgenden 2 Frames konnte ich dann - durch recht gutes Sicherheits- und Taktikspiel doch noch das Spiel herumreißen und mich in die nächste Runde retten.

Dort wartete schon Toni Oberndorfer auf mich, und weil gar nur mehr 6 aktive Spieler im Turnier waren, trugen wir unser Duell auf Tisch 2 aus. Bei dieser Partie zeigten sich aber erste Ermüdungserscheinungen, es wollte mir nicht mehr allzu viel gelingen, und die ein, zwei Flukes von Toni taten dann ihr übriges, um das Unvermeidliche wahr zu machen: Toni beförderte mich mit 0:2 aus dem Turnier, und verhinderte damit mein bestes Turnierergebnis.

Immerhin war ich aber doch 5. geworden, was 60 Punkte für die Rangliste bedeutet (damit hab ich in den ersten zwei Turnieren genau die Punktezahl vom Vorjahr gehalten).
Alles in allem kann man damit durchaus zufrieden sein, wenn auch - wieder mal - nicht mit dem Spiel. Also heißt es wieder: Trainieren, trainieren, trainieren...

28.10.07 09:39, kommentieren